Von Schladming nach Wien: Mein Gespräch mit Ferdinand Seebacher über große Rollen, kleine Geheimnisse Kommissar Rex

Im legendären Kaffee Korb in Wien treffe ich Ferdinand – Schauspieler, gebürtig aus Schladming, bekannt aus Kino und Fernsehen. In den vergangenen Jahren hat er sich in der österreichischen Film- und TV-Landschaft einen Namen gemacht. Jetzt steht er vor einem neuen Kapitel: Ein großes Projekt rund um die Kultserie „Kommissar Rex“. Wir sprechen über seine Anfänge, seine Liebe zur Heimat, seine Leidenschaft für vielschichtige Rollen – und seine Pläne für die Zukunft.

Erste Schritte auf die Bühne

Ferdinands Liebe zur Schauspielerei begann früh. Erste Auftritte in der Volksschule, Gedichte, Krippenspiele – die Bühne faszinierte ihn von Anfang an. Besonders prägend war seine Großmutter Rosina, eine vielseitige Künstlerin, die Aquarelle malte, schnitzte und töpferte. „Sie hat mich als Kind oft ins Theater und in Konzerte mitgenommen. In ihrem Atelier habe ich klassische Musik gehört und ihre Bilder nachgemalt – das waren meine ersten Berührungspunkte mit Kunst und Kultur“, erzählt er.

Der Weg zur Schauspielerei

Die Entscheidung, Schauspieler zu werden, fiel während der Oberstufe. Ein ehemaliger Lehrer inszenierte ein Stück und fragte ihn, ob er mitspielen wolle. „Ich habe zugesagt und sofort Blut geleckt.“ Nach der Matura verbrachte Ferdinand ein Jahr in Kanada, bevor ihn der Schauspieler Peter Strauß, ein Freund der Familie, auf die Aufnahmeprüfungen vorbereitete. Schließlich wurde er an der Kunstuniversität Graz aufgenommen, wo er von 2009 bis 2013 studierte. Bereits während der Ausbildung stand er auf renommierten Bühnen: Volkstheater Wien, Salzburger Festspiele, Schauspielhaus Graz.

Mauro Mittendrin: Hattest du ein Vorbild auf deinem Weg?

„Ein bestimmtes Vorbild hatte ich nie“, sagt Ferdinand. „Mich hat immer das Spielen selbst motiviert. Mich erfüllt es, Figuren auszuprobieren und neue Facetten kennenzulernen.“ Inspiration finde er eher in Lebenswegen von Menschen, die ihren eigenen Weg gegangen sind. „Es gibt Schauspieler, die aus einfachen Verhältnissen kommen, so wie ich, und die trotzdem ihren Traum verwirklicht haben. Das zeigt mir: Man darf ausbrechen.“

Vielseitigkeit vor der Kamera

Bekannt wurde Ferdinand mit seiner Rolle als Simon in „Die Bergretter“. Seither hat er in zahlreichen Produktionen gespielt – von ernsten Charakteren wie in „Der Pass“ bis hin zu eleganten Rollen, etwa als Butler in einem ZDF-Herzkinoformat.
„Ich entwickle jede Figur von Grund auf: ihre Herkunft, ihre Geschichte, ihre Wünsche. Wenn diese Grundlage steht, fließt der Text fast von allein“, erklärt er. Besonders spannend seien für ihn Rollen, die möglichst weit von seiner eigenen Persönlichkeit entfernt sind. „Mich selbst zu spielen, wäre einfach. Aber in völlig fremde Welten einzutauchen, das ist die größte Herausforderung.“

Komödie als kreative Freiheit

Dass er nicht nur Dramen, sondern auch Humor beherrscht, zeigte Ferdinand in der Komödie „Griechenland 2“ an der Seite von Thomas Stipsits. „Die Rolle des Marvin war völlig verrückt und hat unglaublich viel Spaß gemacht“, erinnert er sich lachend. „Die Reaktionen des Publikums haben gezeigt, dass Komödie genauso tief gehen kann wie ernste Rollen.“

Von Heilbronn zurück nach Wien

Nach seinem Studium erhielt Ferdinand ein festes Engagement am Theater in Heilbronn. Vier Jahre lang spielte er dort in über 30 Produktionen – eine prägende und intensive Zeit. 2017 entschied er sich, den Fokus stärker auf Film und Fernsehen zu legen. „Als Filmschauspieler reist man sowieso viel: Tirol, England, Kroatien. Da wollte ich privat dort leben, wo ich mich am wohlsten fühle – in Wien.“

Heimat als Kraftquelle

Trotz seiner Wahlheimat Wien ist Ferdinand seiner Herkunft tief verbunden. „Schladming ist mein Kraftort“, sagt er. „Dort habe ich meine Kindheit verbracht, dort lebt meine Familie. Zwischen den Bergen, der Natur und den Erinnerungen finde ich Ruhe und Energie.“

Leidenschaft für Kulinarik

Neben dem Schauspiel schlägt Ferdinands Herz für das Kochen. Inspiriert von seiner Großmutter liebt er es, Gerichte zuzubereiten, die für ihn Heimat bedeuten. Besonders gern macht er Hühnerschnitzel – mit einem kleinen Geheimnis: „Vor dem Panieren bestreue ich das Fleisch leicht mit Grillhendl-Gewürz. Das gibt dem Ganzen einen besonderen Geschmack.“

Sport als Ausgleich

Wenn er nicht vor der Kamera steht, findet Ferdinand seinen Ausgleich in der Bewegung. Ob Rennrad, Klettern, Paragleiten, Skifahren oder lange Bergtouren – Sport gehört für ihn zum Alltag. „Neun Stunden in den Bergen unterwegs zu sein, das macht den Kopf frei und bringt neue Energie.“

Mauro Mittendrin: Du drehst bald für „Kommissar Rex“. Was bedeutet dieses Projekt für dich?

„Die Serie ist Kult, Mauro – besonders in Italien“, sagt er begeistert. „Ich freue mich riesig auf diese neue Herausforderung.“ Aktuell steckt er mitten in den Vorbereitungen: Hundetraining, Waffentraining, Leseproben, Kostüme, Maske – alles wird minutiös geplant. „Ich habe vier Jahre Italienisch gelernt. Wer weiß, vielleicht drehe ich eines Tages sogar eine Szene auf Italienisch.“

Blick in die Zukunft

Auf die Frage nach seinen Wünschen antwortet Ferdinand bescheiden: „Das Wichtigste ist, dass es meiner Familie und meinen Freunden gut geht. Alles andere ist ein Bonus.“ Mit Projekten wie „Kommissar Rex“ scheint sein Weg jedenfalls klar: Es öffnen sich neue Türen – und vielleicht auch internationale.