Cesár Sampson ist weit über die Grenzen Österreichs hinaus als Musiker und Sänger bekannt. Der Teilnehmer am Eurovision Song Contest 2018 hat sich vor Kurzem mit dem bekannten italienischen Netzwerker Mauro Maloberti (Mauro Mittendrin) getroffen und mit ihm über seine Karriere gesprochen.
Mauro Mittendrin: Herr Sampson, wo liegen denn die Ursprünge Ihrer Karriere?
Cesár Sampson: Ich habe in meinem Leben mehrere Karrieren verfolgt, mit der Musik habe ich aber sehr früh begonnen. Damals hatte ich das noch nicht als Karriere im Sinn. Mit zehn Jahren habe ich begonnen, Konzerte zu geben. Zunächst war ich Schlagzeuger. Als Sänger bin ich erst mit 17 Jahren aufgetreten. Von da an ging es ziemlich schnell auf die professionelle Ebene.
Wie ging es dann weiter?
Mit 18 Jahren hatte ich meine ersten Aufträge als Sänger für Werbungen. Bald darauf war ich auch schon auf Tour. Es ging alles erstaunlich schnell und ehe ich mich versah, hatte ich schon zehn Jahre im Musikbereich auf dem Buckel. Da habe ich zum ersten Mal den Drang verspürt, einmal etwas Neues zu machen, es anders zu machen.
Und was haben Sie dann gemacht?
Ich habe mich ein bisschen umorientiert. Musik habe ich dann eine Zeit lang nur nebenbei bzw. als Songwriter gemacht. Die Bühne war mir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so wichtig. Ich habe dann begonnen, als Sozialarbeiter zu arbeiten, und habe nebenbei Sport studiert. Ich habe dann quasi noch einmal zehn Jahre verwendet, um andere Sachen zu lernen und auch meine anderen Talente ein bisschen zu schulen. Mit 34 Jahren bin ich schließlich wieder auf die Musikbühne zurückgekehrt.
Was war der Anlass dazu?
Ich hatte die Möglichkeit, Österreich beim Eurovision Song Contest zu vertreten. Das war für mich ein niederschwelliger Wiedereinstieg. Ich finde nämlich, dass das eine tolle Veranstaltung ist. Da habe ich einfach Lust bekommen, wieder auf der Bühne zu stehen. Das hat sich verfestigt, und seither bin ich wieder hauptberuflich Musiker.
Was waren Ihre Erfahrungen beim Song Contest?
Dort fühlt sich jemand wie ich sehr zu Hause. Ich hatte oft das Problem, dass meine Musikrichtung und meine Art, zu singen, sehr international ausgelegt sind. Das war in Österreich dann teilweise schwierig. Beim Song Contest habe ich mich aber mit dieser Art der Musik so richtig verstanden gefühlt. Ich hatte immer das Gefühl, das sei mein Wohnzimmer. Der interkulturelle Austausch, die vielen tollen Musiker, alle möglichen Musikrichtungen: Das ist meine Welt.
Gibt es noch Träume, die Sie sich erfüllen möchten?
Ja, ich habe sogar sehr viele. Es sind sehr viele, die in verschiedene Richtungen gehen. Als Musiker ist mir wichtig, dass ich mehr die internationalen Ohren bediene. Für meinen weiteren Wachstumsweg und mich als Musiker ist es wichtig, dass ich meine Kreise international ziehe. Das ist auf jeden Fall ein Ziel in der musikalischen Richtung. Auf der anderen Seite habe ich eine richtige Leidenschaft für das Schauspielern entwickelt. Da verwende ich momentan sehr viel Energie, um immer weiterzukommen.
Haben Sie auch Momente im Leben, die Sie lieber vergessen würden, und Momente, die Sie in Ihrem Herzen bewahren?
Ich habe eigentlich keinen Moment, den ich vergessen möchte. Ich war mir Gott sei Dank immer sehr treu in der Art, wie ich meine Entscheidungen treffe, und habe nie sehr lange zugewartet, wenn ich das Gefühl hatte, dass ich etwas ändern sollte. Ich bin immer bereit, diese Veränderungen zu machen. Auf der anderen Seite gibt es aber natürlich viele Erinnerungen, die ich nicht vergessen möchte, etwa meine ersten Erinnerungen daran, mit meiner Mutter gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Dann natürlich der Auftritt beim Song Contest, aber auch meine Erfahrungen als Behindertenbetreuer. Dabei habe ich sehr viel darüber lernen dürfen, was es heißt, ein Mensch zu sein.
Haben Sie einen Tipp für junge Leute, die ihr Glück im Musikbereich versuchen möchten?
Ich habe oft mit jungen Sängern zu tun. Am wichtigsten ist mir dabei immer, zu vermitteln, dass man sich bewusst sein muss, dass die Musikbranche nicht ein Ort ist, an dem man glücklich wird, wenn man zu viele Kompromisse eingeht. Musik ist von Natur aus sehr riskant. Der Weg zum Erfolg ist kein Highway. Da ist es umso wichtiger, dass man nicht vergisst, darauf zu achten, was einem selbst wichtig ist, wenn man das Risiko eingeht, Musiker zu sein.
Wen würden Sie als Ihr Vorbild bezeichnen?
Ich habe viele Vorbilder – mittlerweile weniger im Musikbereich und mehr, wenn es darum geht, menschlich zu sein. Dabei geht es um Menschen, die im Angesicht von schwierigen Zeiten Courage bewiesen haben. Menschen, die ihre Träume verfolgt haben, auch wenn niemand sie dazu ermutigt hat. Ich bin zum Beispiel ein großer Bewunderer von Jane Goodall, die ich Gott sei Dank sehr gut kenne. Sie inspiriert mich immer wieder, weil bei ihr wirklich die Person exakt dasselbe ist wie das Image. Sie ist einfach diese Person, die das Unwahrscheinliche möglich macht.
Welche Rolle spielt Humor in Ihrem Leben?
Die Menschen, die mich kennen, würden sagen, dass ich ein sehr lustiger Typ bin. Ich lache auch gerne, bin aber kein Mensch, der einfach lacht, um freundlich oder höflich zu sein. Ich muss dazu wirklich innerlich ergriffen sein. Es muss wirklich lustig sein. Und dann kommt es so aus mir heraus.
Wie sehen Ihre nächsten Pläne aus?
Im Musikbereich haben sich die Zeiten ein bisschen verändert. Da musste ich mich auch ein wenig umorientieren. Aber das gibt mir auch die Chance, etwas internationaler zu denken. Ich werde deshalb demnächst auch mehrere Songs veröffentlichen, die einen internationaleren Touch haben. Außerdem stehen natürlich einige Konzerte an.
Wie kann man sich Ihren Alltag vorstellen?
Ich stehe um 8 Uhr auf, aber ich brauche mindestens eine Stunde, bis ich wirklich wach bin, obwohl ich schon auf bin. Dann starte ich mit Kaffee in den Tag und dann werde ich von null auf 100 sehr aktiv. Im ersten Teil des Tages mache ich lieber die unangenehmeren Sachen. Dann habe ich am Ende des Tages alles erledigt und kann im Fitnessstudio richtig abschalten.
Und es steht noch ein freudiges Ereignis an …
Ja, bald erwarten meine Frau und ich Nachwuchs. Das ist natürlich ein großes Thema bei uns. Es ist ein richtiges Abenteuer und wir freuen uns schon sehr darauf.
Grazie Cesár, ci vediamo! Ciao!







